Die Geschichte der Markt-Apotheke
Am 27. Juli 1655 verlieh die Schwarzburg-Rudolstädtische Gräfin Aemilie Antonie der Stadt Rudolstadt das Privileg zum Betreiben einer Apotheke, versehen mit einem existenzsichernden Gebietsschutz und Konkurrenzausschluss. Dieses Privileg war die Grundlage für das nunmehr 350-jährige Bestehen der Rudolstädter Markt-Apotheke, die damit zu den ältesten noch bestehenden Apotheken Thüringens gehört. Das verliehene Apothekenprivileg ermöglichte es den Stadtvätern, eine im Markthaus No. 10 schon früher gegründete Apotheke des Gothaer Apothekers Döhnel, die nach dessen Wegzug und durch die Wirren des 30-jährigen Krieges eingegangen war, wieder „neu aufzurichten“ und damit einen pharmazeutischen Versorgungsnotstand für die Rudolstädter Einwohner zu beheben. Vorausgegangen war, dass Apotheker Döhnel das Haus und die ehemaligen Apothekenräume testamentarisch der Stadt Rudolstadt auf deren Drängen übereignet hatte.

Rudolstädter Marktplatz mit Hof-Apotheke um 1900 (© Foto Lösche, Rudolstadt)
 Rudolstädter Marktplatz mit Hof-Apotheke um 1900 (© Foto Lösche, Rudolstadt)

Das Privileg war mit zahlreichen existenzsichernden Rechten, aber auch Pflichten für den Betreiber verbunden: So durfte neben der Markt-Apotheke „... dieses Orts... keine mehr sein, noch geduldet oder zu gedachter Apotheke Hinderung oder Nachteil hinfüro angestellt und aufgerichtet, ebenso wenig auch allerhand ausländische oder einheimische, eigentlich in die Apotheke gehörige Stücke oder Materialien heimlich oder öffentlich verkauft werden... kein Landfahrer, Theriaks-Krämer, Zahnbrecher oder dergleichen...“ durfte ohne Einwilligung des Grafen oder des Stadtrates seine Erzeugnisse neben der Apotheke feilhalten, wie es im Privileg heißt.

Im Gegensatz zu anderen alten Apotheken findet sich im Falle der Rudolstädter Markt-Apotheke keine Besitzerkontinuität in Form familiärer „Apothekerdynastien“, die die Apothekengeschicke über Jahrhunderte bestimmten. Bereits vier Jahre nach der Erteilung des Privilegs verkaufte die Stadt Rudolstadt ihre Apotheke samt Privileg für 1200 Gulden an Apotheker Samuel Langenbergk, der damit am Anfang einer langen Reihe von nicht weniger als 20 verschiedenen Apothekern steht, die innerhalb der letzten 350 Jahre als Eigentümer, Pächter oder Verwalter die Apotheke leiteten.


Markt-Apotheken-Officin in den 1950er Jahren
 Markt-Apotheken-Officin in den 1950er Jahren

Zu den bekanntesten Eigentümern der Markt-Apotheke gehörten zweifellos der Erfurter Pharmazeut Professor Johann Bartholomäus Trommsdorff (1770-1837), der als Begründer der modernen Pharmazie weit über Deutschlands Grenzen bekannt wurde, sein Neffe Christian Wilhelm Dufft, sowie dessen Sohn Carl Waldemar Dufft.
Trommsdorff kaufte die Markt-Apotheke im Jahre 1809 für 6300 Reichstaler, leitete sie von Erfurt aus und ließ sie durch einen angestellten Apotheker vor Ort verwalten.
Apotheker Dufft übernahm die Apotheke nebst Privileg 1824 und führte sie bis zu seinem Tode im Jahre 1852. Wie sein Sohn Carl Waldemar Dufft, der die Apotheke von 1852 bis 1868 besaß, war er neben seiner erfolgreichen Apothekertätigkeit, die weit über das rein Proffesionelle hinausging, stark an den Naturwissenschaften interessiert und hinterließ das Ergebnis seiner Forschungs- und Sammlungstätigkeit in Form einer angesehenen Molluskensammlung dem fürstlichen Naturalienkabinett.

Über alle Höhen und Tiefen der Apothekengeschichte hinweg war es den Eigentümern der Markt-Apotheke immer wieder gelungen, das fürstliche Privileg zu erhalten oder neu zu erwirken und sich des Wohlwollens der Schwarzburger Fürsten zu versichern.
So erhielt die Markt-Apotheke im Jahre 1739 den Titel „Hofapotheke“, den sie bis ins 20. Jahrhundert führen durfte.

Im 20. Jahrhundert folgten weitere Apothekeninhaber, deren Namen den älteren Rudolstädtern heute noch bekannt sind: August Beyer, Erich Wolf, Erich von Homeyer, Paul Immisch und Gerhard Lange.

Außenansicht der Markt-Apotheke 2005
 Außenansicht der Markt-Apotheke 2005

Einen Einschnitt in die Apothekengeschichte brachte die Entwicklung nach dem zweiten Weltkrieg. 1949 ging die Apotheke in das Eigentum des Landes Thüringen über. Der bisherige Eigentümer, Apotheker Gerhard Lange, wurde zum Pächter der Apotheke, die nunmehr wieder in „Markt-Apotheke“ umbenannt wurde.
Am 6.Juni 1956 erfolgte die Verstaatlichung der Apotheke, ihr staatlicher Leiter wurde Apotheker Heinz Möller. 1972 erhielt die Markt-Apotheke, nach einem mehrjährigen aufwendigen Umbau und räumlichen Erweiterungen den Status einer Kreisapotheke, welche zusätzlich zahlreiche zentrale Aufgaben für die Apotheken des Kreises Rudolstadt wahrzunehmen hatte, wie Analytik zentrale Augentropfenherstellung und zentrale Buchhaltung.
Oberpharmazierat Heinz Möller übte nun die Aufgaben des Apothekenleiters und die des Kreisapothekers in Personalunion aus. Diese Doppelbelastung forderte 1986 ihren gesundheitlichen Tribut. OPhR Möller erkrankte schwer und verstarb noch im gleichen Jahr.
Infolge der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 wurden auch die ehemals staatlichen Apotheken privatisiert. Seit 1990 ist Apotheker Dr. Gutheil Eigentümer der Markt-Apotheke, in der er seit 1984 als angestellter Apotheker und seit dem Tod von OPhR Möller als staatlicher Apothekenleiter tätig war.

Die Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung brachten auch für die Markt-Apotheke gravierende Änderungen mit sich: Innerhalb von 5 Jahren stieg die Zahl der Apotheken in Rudolstadt von 3 auf 8. Ständige Sparerfordernisse durch die Gesundheitspolitik machten die Arbeit nicht leichter.

Trotz der schwierigeren äußeren Bedingungen unternehmen die Mitarbeiter der Apotheke alle Anstrengungen, eine qualifizierte pharmazeutische Betreuung aller Patienten und Kunden der Apotheke zu gewährleisten und verlässliche, kompetente und menschliche Partner der Bürger in allen Gesundheitsfragen zu bleiben - quasi als Apotheke „für alle Fälle“.
Darüber hinaus spezialisiert sich die Apotheke auf die qualifizierte Betreuung spezieller Patientengruppen, wie Diabetiker oder Asthma- und Allergiepatienten sowie auf die Fernreiseimpfberatung und die Kundenbetreuung als Hausapotheke. Um eine gleich bleibend hohe Qualität all dieser Arbeitsaufgaben zu sichern und nach außen zu demonstrieren haben Leitung und Mitarbeiter der Apotheke im letzten Jahr ein Qualitätsmanagementsystem nach DIN EN ISO 9001:2000 aufgebaut, welches im 350sten Jahr des Bestehens der Apotheke durch den TÜV Thüringen erfolgreich zertifiziert werden konnte.
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